Olis Paintings
OLI IM GESPRÄCH
“Die Malerei war keine Neuerfindung – sondern das Ende der Anpassung…” Der Wechsel zur Malerei mit 50. War das ein Bruch?
Paul Olivier: Es war eine Befreiung. Ich war jahrzehntelang in Systemen unterwegs, die funktioniert haben. Hotel, Film, Werbung.
Am Abend meines 50. Geburtstags kam der Punkt, an dem bloßes Funktionieren keine Option mehr war. Die Malerei war die unumgängliche Konsequenz. Ein spontaner aber wohl überlegter Schnitt.
Warum dieser Maßstab von zwei Metern?
Paul Olivier: Ich brauche das Ausmaß, um mich im Bild zu bewegen. Unter zwei Metern beginnt für mich kein Bildraum. Es ist ein Akt des Körpers. Die Bewegung wird Teil des Bildes.
Deshalb hängen die Arbeiten beim Malen niedrig: Ich steige direkt hinein. Es ist eine Eins-zu-eins-Begegnung zwischen meinem Körper und dem Material. Daraus entstehen keine Dekorationen, sondern pure Resonanz.
Du arbeitest fast immer an drei Leinwänden gleichzeitig. Warum diese Struktur?
Paul Olivier: Herkunft, Auswirkung, Verdichtung. Das ist mein simultaner Drei-Leinwand-Prozess. Das Entscheidende ist: Diese drei Flächen greifen ineinander.
Wenn ich auf der „Verdichtung“ einen Eingriff vornehme, verändert das rückwirkend die „Herkunft“. Jede Entscheidung verschiebt das gesamte Gefüge. Am Ende bleibt meist nur ein einziges Bild, das diese gesamte Intensität in sich vereint.
Die Sprache war dein Ausgangspunkt. Wie passt das zur Malerei?
Paul Olivier: Die Malerei erlaubt mir eine Öffnung durch Abstraktion, die in der Sprache nicht möglich war. Ich hinterlege den Kern im Ursprung als figurative Fragmente früherer Texte. Durch Überlagerung geht die Lesbarkeit verloren. Was bleibt, ist abstrakte Struktur. Die intuitive Wahrnehmung des Ursprungs wirkt durch die Schichten hindurch.
Deine Farben sind oft sehr präsent. Welche Rolle spielt diese Farbintensität?
Paul Olivier: Mich interessiert nicht die Schwere – sondern die Verdichtung, aus der Möglichkeiten resultieren. Auch wenn der Impuls emotional besetzt ist: Mit jeder Schicht bilden sich Optionen, die den Konflikt transformieren.
Beim Anschauen formt sich das Bild immer wieder neu. Die Farben transportieren die Richtung der Arbeiten. Was als Auseinandersetzung beginnt, bleibt nicht stehen. Es verändert sich Schicht für Schicht zu Optionen.
Wann weißt du, dass ein Bild fertig ist?
Paul Olivier: Wenn es beginnt, sich gegen mich zu behaupten. Ein Bild ist fertig, wenn es seine Bedeutung eigenständig entfaltet.
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